Fluchtwegkennzeichnung richtig umsetzen: Vorschriften, Schilder & Prüfpflichten
Im Notfall zählt jede Sekunde. Klare Sicherheitsschilder und eindeutig gekennzeichnete Rettungswege sorgen dafür, dass Personen schnell und sicher ins Freie gelangen. Damit Fluchtwege, Notausgänge und Rettungseinrichtungen im Ernstfall zuverlässig funktionieren, ist eine normgerechte Kennzeichnung gesetzlich vorgeschrieben – doch ihre korrekte Umsetzung wirft in der Praxis häufig Fragen auf.

Warum die richtige Kennzeichnung von Fluchtwegen wichtig ist

Die richtige Kennzeichnung von Fluchtwegen ist von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Sicherheit von Menschen geht. Im Falle eines Brandes, eines Unfalls oder einer anderen Notsituation müssen Menschen schnell und sicher aus einem Gebäude evakuiert werden können. Wenn Fluchtwege nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet sind, kann es zu Verwirrung, Verzögerungen und sogar zu lebensbedrohlichen Situationen kommen.

Eine klare Kennzeichnung von Fluchtwegen sorgt dafür, dass Personen in Notsituationen schnell und sicher den nächsten Ausgang finden. Die Beschilderung sollte gut sichtbar sein und Informationen über den Ausgang, die Richtung und die Entfernung enthalten. Denn wenn Menschen in Panik geraten, kann es schwierig sein, sich zu orientieren und den richtigen Weg zu finden. Eine eindeutige Kennzeichnung kann in solchen Situationen helfen, Menschen zu ruhig und schnell aus dem Gebäude zu bringen.

Darüber hinaus ist die richtige Kennzeichnung von Fluchtwegen gesetzlich vorgeschrieben. In vielen Ländern gibt es spezifische Vorschriften, die besagen, dass Fluchtwege deutlich und dauerhaft gekennzeichnet werden müssen. Dies gilt für öffentliche Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser und Einkaufszentren, aber auch für Unternehmen und Wohngebäude.

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Rechtlichen Vorschriften für die Kennzeichnung von Fluchtwegen  

Sicherheitskennzeichnungen unterliegen Normen und Gesetzen, die klare Vorgaben für ihren Einsatz definieren. Hier erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Regelungen:

ASR A1.3 Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung
Bei der ASR A1.3 handelt es sich um eine Technische Regel für Arbeitsstätten in Deutschland, die sich mit der Kennzeichnung von Arbeitsplätzen und Arbeitsmitteln in Bezug auf Sicherheit und Gesundheitsschutz befasst. Sie beschreibt, welche Kennzeichnungen und Symbole auf Arbeitsmitteln, Arbeitsbereichen und Gebäuden verwendet werden sollen, um auf potenzielle Gefahren hinzuweisen und Sicherheitsmaßnahmen zu unterstützen. Gewerbeaufsichtsämter oder andere staatliche Organe der Länder prüfen die Einhaltung dieser Regeln. Die ASR A1.3 gilt für alle Arbeitgeber und Betriebe in Deutschland und soll dazu beitragen, Arbeitsunfälle und Gesundheitsschäden zu vermeiden oder zu minimieren.

ASR A3.4 – Beleuchtung
Auch die Beleuchtung von Arbeitsstätten spielt in Verbindung mit Sicherheitszeichen eine wichtige Rolle. Die ASR A3.4 legt die Anforderungen an die Beleuchtung von Arbeitsstätten fest. Die Norm definiert Mindestanforderungen an die Beleuchtungsstärke sowie Empfehlungen für die Wahl der Beleuchtungskörper und deren Anordnung.

ASR A2.3 – Fluchtwege und Notausgänge
Die ASR A2.3 konkretisiert Anforderungen an das Einrichten und den Betrieb von Fluchtwegen und Notausgängen, sowie das Aufstellen von Flucht- und Rettungswegplänen nach § 55 Arbeitsstättenverordnung. Damit legt sie fest, welche baulichen und betrieblichen Maßnahmen erforderlich sind, um die Sicherheit von Beschäftigten im Falle von Gefahrensituationen wie Bränden, Explosionen oder Unfällen zu gewährleisten.

DIN EN ISO 7010 – Graphische Symbole, Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen
Die Symbole und Farben auf den Sicherheitszeichen werden maßgeblich durch die DIN EN ISO 7010 festgelegt. Die Norm enthält Vorgaben zu Form, Farbe und Piktogrammen und ermöglicht die nicht textbasierte Sicherheitskennzeichnung. Rettungszeichen müssen sich zudem bei Allgemeinbeleuchtung gut sichtbar von einer hellen Umgebung abheben. Aktuelle Zeichen nach ISO 7010 sind international einheitlich und allgemeinverständlich. Diese Norm wurde im Jahr 2013 in die ASR A1.3 übernommen.

Änderungen durch DIN EN ISO 7010 Änderungen durch DIN EN ISO 7010

Die Zeichen der DIN TR 4844-41 wurden abgelöst. Betroffen sind nicht nur Rettungszeichen, sondern auch Brandschutz-, Warn-, Gebots und Verbotsschilder


Wie Fluchtweg-Schilder angebracht werden sollten

Es ist äußerst wichtig, dass Fluchtweg-Schilder korrekt angebracht werden, um im Notfall eine effektive Fluchtroute zu ermöglichen. Die korrekte Anbringung von Fluchtweg-Schildern kann Leben retten und sollte daher nicht vernachlässigt werden.

Dies sind einige wichtige Punkte, die bei der Anbringung von Fluchtweg-Schildern zu beachten sind:

1. Platzierung
Fluchtweg-Schilder sollten an strategischen Stellen platziert werden, um den Fluchtweg deutlich zu kennzeichnen. Sie sollten an allen Ein- und Ausgängen sowie an Stellen angebracht werden, an denen sich Menschen versammeln, wie zum Beispiel in Fluren oder Eingangsbereichen. Die Schilder sollten auch in regelmäßigen Abständen angebracht werden, um sicherzustellen, dass der Fluchtweg leicht erkennbar ist.

2. Höhe
Die Fluchtweg-Schilder sollten in einer Höhe angebracht werden, die für alle Personen leicht zu sehen ist. Die ideale Höhe beträgt in der Regel zwischen 1,8 und 2,2 Metern über dem Boden. Wenn die Schilder zu hoch oder zu niedrig angebracht werden, können sie schwer zu erkennen sein und im Notfall unnötige Verzögerungen verursachen. 

3. Farben
Die Farben der Fluchtweg-Schilder sollten gut sichtbar sein und sich von der Umgebung abheben. In der Regel werden grüne oder rote Schilder verwendet, um den Fluchtweg zu kennzeichnen. Es ist jedoch wichtig, dass die Farben den örtlichen Vorschriften entsprechen.

4. Erkennungsweite
Laut der ASR A1.3 ist die Erkennungsweite der größtmögliche Abstand zu einem Sicherheitszeichen, bei dem dieses noch lesbar und hinsichtlich Form und Farbe erkennbar ist.
Da Rettungswegschilder in geeigneter Größe für die schnelle Orientierung entscheidend sind, spielt die Erkennungsweite eine übergeordnete Rolle bei der Sicherheitskennzeichnung. Hierbei ist die Größe des Schildes abhängig von der maximalen Entfernung des Betrachters. Ein kleines Notausgangsschild mit 10 cm Breite über dem Notausgang wird in einer großen Halle von mehreren 100 Metern Länge selbst bei guten Lichtverhältnissen nicht gut wahrgenommen. Mindestens ein Rettungszeichen muss von jedem Standpunkt auf dem Fluchtweg erkennbar sein. Es wird empfohlen für Randbereiche das nächstgrößere Schild anzubringen. Insbesondere großflächige Räume, außergewöhnlich lange Flure und unübersichtliche Hallen sollten mit einem XXL-Rettungszeichen ausgestattet werden.

Unser Tipp:
Entscheiden Sie sich sicherheitshalber immer für ein größeres Schilderformat!

 

Folgende Angaben zum Beaobachtungsabstand und der benötigten Größe von Rettungszeichen werden hierzu in der ASR A1.3 gemacht (Vorzugsgrößen). Das Schaubild und die Tabelle zeigen, bis zu welcher maximalen Entfernung bestimmte Schildergrößen gut zu erkennen sind:

Erkennungsweiten von Rettungswegschildern Erkennungsweiten von Rettungswegschildern

Wählen Sie die Sicherheitszeichen, die im Verhältnis zum Beobachtungsabstand eine geeignete Größe haben. Richten Sie sich nach den Vorzugsgrößen, um eine bestmögliche
Erkennbarkeit im Ernstfall zu garantieren und normenkonform zu kennzeichnen.


Langnachleuchtende Schilder

Bei der Planung von Fluchtwegen steht die Selbstrettung gefährdeter Personen an oberster Stelle. Rettungsschilder müssen daher auch bei schlechten Sichtverhältnissen gut erkennbar und an ihrem Anbringungsort ausreichend beleuchtet sein – beachten Sie hierzu auch die Erkennungsweiten. Ist keine Sicherheitsbeleuchtung vorhanden, müssen langnachleuchtende Schilder angebracht werden. Für diese Vorkehrungen sind die ASR A1.3 und 2.3 und die DIN 67510 zu berücksichtigen.

Warum sind langnachleuchtende Schilder so wichtig?
Bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung sind die Sicherheitsfarben von Rettungszeichen nicht mehr zu erkennen. Nachleuchtende Sicherheitsschilder sorgen jedoch dafür, dass zumindest das graphische Symbol und die geometrische Form eine bestimmte Zeit nachleuchten und eine Orientierung auch im Dunkeln möglich bleibt. Sie sind deshalb ein Muss in jedem Betrieb!

Funktionsweise
Lang nachleuchtende Sicherheitszeichen sind ausfallsicher, da sie stromunabhängig funktionieren.
Sicherheitszeichen in nachleuchtender Qualität besitzen lichtspeichernde Pigmente. Diese werden durch eine Lichtquelle aufgeladen. Bei Dunkelheit wird die gespeicherte Lichtenergie über einen längeren Zeitraum wieder abgegeben. Ob die Pigmente ausreichend angeregt wurden, ist abhängig von Faktoren wie der Art der Lichtquelle, der Beleuchtungsstärke und -dauer oder auch der jeweiligen Pigmentierung. Generell entscheiden die Umgebung und der Ort der Anbringung über die erforderliche Leuchtkraft der Produkte.

Funktionsweise langnachleuchtender Schilder Funktionsweise langnachleuchtender Schilder

Nachleuchtende Rettungsschilder geben die gespeicherte Lichtenergie bei Dunkelheit wieder ab. Dieser Vorgang kann
beliebig oft wiederholt werden

 

Leuchtdichte-Klassen
Im Ernstfall müssen Rettungszeichen lange erkennbar sein. Wichtige und maßgebliche Werte für Sicherheitsschilder sind daher die gemessene Leuchtdichte (in Millicandela /m²) nach 2, 10, 30, 60 oder 120 Minuten nach Aktivierung. Doch Licht ist nicht gleich Licht und nicht jedes Rettungszeichen eignet sich für jedes Gebäude. Die DIN 67510 legt daher Leuchtklassen fest.

Geeignet zur Sicherheitskennzeichnung

Nicht zulässig zur Sicherheitskennzeichnung

Im Ernstfall ist damit auch bei einem Stromausfall gewährleistet, dass Fluchtwege, Einrichtungen und Hindernisse deutlich erkennbar bleiben – eine schnelle und sichere Evakuierung ist sicher gestellt. Langnachleuchtende Sicherheitskennzeichen der Leuchtklasse C und D leuchten selbst nach 60 Minuten noch hell genug, um den Einsatzkräften der Feuerwehr ihren Weg zu weisen.


Richtungspfeile und Rettungszeichen richtig kombinieren

Rettungszeichen sollten grundsätzlich mit Zusatzzeichen in Form von Richtungspfeilen kombiniert werden, um eine eindeutige und schnelle Orientierung zu ermöglichen. Gerade im Notfall kommt diesen Zusatzzeichen eine zentrale Bedeutung zu, da sie den Verlauf des Rettungsweges klar vorgeben. In der Praxis führen Richtungspfeile jedoch häufig zu Interpretationsspielräumen, etwa bei der Frage, ob ein nach oben oder unten gerichteter Pfeil einen Etagenwechsel oder die Laufrichtung „geradeaus“ kennzeichnet. Da für solche Unsicherheiten im Ernstfall keine Zeit bleibt, ist die normgerechte und eindeutige Kombination von Richtungspfeilen und Rettungszeichen entscheidend für eine sichere Evakuierung.

 

Fluchtwegschild

Pfeil

Laufrichtung

Etagenwechsel

Richtungspfeil rechts Richtungspfeil rechts

• geradeaus gehen
• durch die Türe gehen

aufwärts gehen


Richtungspfeil unten Richtungspfeil unten

---

abwärts gehen


Richtungspfeil rechts Richtungspfeil rechts

nach rechts gehen

---


Richtungspfeil links Richtungspfeil links

nach links gehen

---


Richtungspfeil oben links Richtungspfeil oben links

nach schräg links gehen

aufwärts nach links gehen


Richtungspfeil oben rechts Richtungspfeil oben rechts

nach schräg rechts gehen

aufwärts nach rechts gehen


Richtungspfeil unten rechts Richtungspfeil unten rechts

---

abwärts nach rechts gehen


Richtungspfeil unten links Richtungspfeil unten links

---

abwärts nach links gehen


Prüfintervalle von Fluchtweg-Kennzeichnungen

Fluchtwegschilder müssen jederzeit gut sichtbar, eindeutig erkennbar und korrekt angebracht sein. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und die ASR A1.3 schreiben zwar kein festes Prüfintervall vor, verlangen jedoch eine regelmäßige und anlassbezogene Kontrolle im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.

Empfohlene Prüfintervalle in der Praxis

  • Mindestens einmal jährlich
    Sichtprüfung auf Verschmutzung, Beschädigung, Verdeckung und Funktion (z. B. bei beleuchteten Schildern)
  • Zusätzlich bei besonderen Anlässen, etwa:
    • Umbauten oder Änderungen der Fluchtwege
    • Nutzungsänderungen von Räumen
    • Defekte Beleuchtung oder Stromausfälle
    • Vor Veranstaltungen oder bei starkem Publikumsverkehr

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